Gestern war die, im Rahmen der Ruhr 2010 veranstaltete, Haldensaga und ja, ich war mit dabei. Allerdings nur die ersten 3 Stunden, denn dann wurde es mir zu gruselig.
Vielleicht bin ich mit den falschen Erwartungen an die Sache herangegangen, ich, und damit stand ich definitiv nicht alleine da, bin von einer Nahtwanderung durch das nächtliche Ruhrgebiet ausgegenagen, mit einem Schwerpunkt auf die örtliche Industriekultur. Nach der ersten Stunde wandern jedoch, hielten wir auf der ersten Halde und legten hier erstmal einen zweistündigen Stop ein. Es wurden Äpfel und Wasser verteilt und man konnte sich in den von den Pfadfindern aufgestellten Zelten ein wenig räuchern lassen aufwärmen. Gegen halb 9 waren auch die beiden Sendewagen vom WDR verschwunden, zuerst war mene Reaktion darauf eher erfreut, im Nachhinein hätten sie bleiben sollen und den Wahnsinn dann filmen und tatsächlich zeigen sollen. Danach, um 21 Uhr, begann dann die sog. „Serenade für 8 Halden“ welche die Wanderer dazu auffordern sollte „die Sonne zu verabschienden“. Hierbei handelte es sich um ein Radioballett welches sich eine geschlagene Stunde hinzog und den Anlass dafür gab die Veranstaltung frühzeitig zu verlassen.
Gut, vielleicht hätte man sich noch mehr durch die Internetseite wühlen sollen um auf den Artikel zu LIGNA zu kommen, aber wirklich schlau wäre ich aus dieser Beschreibung auch nicht geworden. Erschreckend waren weniger das esoterische Gesäusel aus den Radios, die an uns ausgeteilt wurden, sondern vielmehr die Reaktionen der Leute. Eine Zeitlang war es ganz amüsant zu beobachten wie die Menschen ( natürlich nur ein Teil davon) sich synkron zu dem Geblubber aus dem Radio bewegt haben, ein Moment hat das Ganze dann als einen ganz neuordinären Rudeltrieb entlarvt. Als verkündet wurde man solle sich auf die Halde legen, 12 Grad und ein fies eisiger Wind, zögerten alle. Kein einziger Mensch hatte der Anweisung folge geleistet, bis dann jemand aus der Zuschauermenge rief: „Langweilig! Alles mitmachen aber sich dann nicht hinlegen!“ Man sah sich einen Moment lang verwirrt an und prompt lagen alle und lauschten verzückt auf die Stimme er Halde die aus den Radiokopfhörern kam. In wieweit man hier also von einem sich bewusst auf die Sache einlassen sprechen kann, ist höchst fraglich.
Ich habe gemeinhin nichts gegen Esoterik, wenn sie niemanden verletzt und, wenn sie mit Leuten praktiziert wird, die sich bewusst darauf einlassen und denen bewusst ist, was sie da tun. Aber eine Nachtwanderung durch die Industriekultur, bei der man das Motto: „Hier führt jeder Schritt zu Kunst“ darauf beziehen kann, dass man die angegebenen Kunsthalden besucht, zu soetwas wie einem Treffen von einer Sonnenanbetersekte, die danach kollektiv Selbstmord begeht ( so zumindest die Vermutungen einiger Leute die sich nach dieser Performance ebenfalls verabschiedet haben) macht, finde ich ziemlich unpassend. Der Führer, bei dem ich mich abmeldete, mit der Begründung, ich habe mir darunter etwas Anderes vorgestellt, entschuldigte sich im übrigen sehr kleinlaut. Man habe ihnen auch nicht gesagt, was hier oben veranstaltet würde.
Fazit: Die Strecke ist auf jeen Fall interessant und ich werde mich mal einen schönen Sonntag in Bewegung setzten und sie mit ein paar Freunden abgehen, schließlich haben wir noch die Routenkarte. Im offiziellen Bericht auf der Hompage steht, dass rund 3500 Leute angetreten sind, jedoch nur 550 das bis zum Ende durchgestanden hätten. Wenn alle Zwischenetappen, an deren Ende wir ebenfalls etwas erzählt bekommen hätten, so waren wie die das Radioballett, glaube ich nicht, dass nur das Wetter für den Schwund an Teilnehemern verantwortlich war.

